Video Transkript

Hast Du in Deinem Leben auch schonmal einen dermaßen Tiefschlag kassiert? So einen, der Dir so richtig lange in den Knochen hängen geblieben ist?

Wie ging es Dir danach?

Hattest Du dann zumindest hinterher so eine "Erleuchtung"? Also eine Klarheit darüber wie Du auf keinen Fall weiter machen möchtest? Und Du im Nachhinein vielleicht sogar auf die richtige Bahn gekommen bist, auf der Du Dich heute befindest?

Genau so einen Tiefschlag habe ich mit 13 Jahren in einer Kirchengemeinde kassiert. Heute weiß ich jedoch, dass ich ohne diesen Tiefschlag nie dem Geheimnis auf die Spur gekommen wäre, das es mir heute ermöglicht, von der Musik zu leben.

In diesem Video verrate ich Dir, welches Geheimnis ich herausgefunden habe. Und wenn Du das Ende hörst, dann wirst Du Dich vielleicht sogar ein bisschen auf Deinen nächsten Tiefschlag freuen.

Obwohl es heute für mich leicht ist, Geld am Klavier zu verdienen - ich habe mittlerweile fast 2.000 Auftritte gespielt - von St. Moritz bis nach Hamburg. Vor 10 und 10.000 Leuten. Aber mein Start mit dem Geld verdienen war wirklich beSCHeiden.

Dieses Ereignis von dem ich spreche hat mich so sehr erwischt, dass ich mich selbst heute noch an jedes Detail erinnere.

Das Ganze passierte als ich 13 Jahre alt war. Ich hatte damals schon ein halbes Jahr Kirchenorgelunterricht. Warum? Andere Geschichte. Jedenfalls waren die Kirchengemeinden schon damals ziemlich in Not, weil sie keine Organisten mehr hatten. Also durfte ich als Aushilfs-Organist Sonntags durch die Kirchengemeinden tingeln und dort Gottesdienste runterorgeln. Aber: Für 58 EUR - für eine 3/4 Stunde Gottesdienst.

Das Problem war nur: Das Gesangbuch bestand aus über 800 verschiedenen Kirchenliedern, die teilweise fast 400 Jahre alt waren und mit den gängigen Harmonien der heutigen Zeit wenig zu tun hatten. Mit ein Grund, warum heute keine Sau mehr in die Kirche will. Anyway.

Das Problem war: Viele Pfarrer hatten so die Unart an sich, dass sie mir ihre Lieder immer erst auf den letzten Drücker geschickt haben. Einen Tag vorher. Vielleicht auch mal drei Tage vorher. Oft aber hingen sie erst am Sonntag selbst an der Wand neben dem Altar.

Meine Oma oder mein Opa fuhren mich deswegen immer eine Stunde vor dem Gottesdienst in die Kirche, damit ich die Lieder nochmal durchspielen konnte. Kannst Du ungefähr nachfühlen, wie es mir da ging?

Dann stell Dir mal noch vor, dass die Noten bei einer Kirchenorgel nicht nur aus zwei Noten-Zeilen bestanden wie beim Klavier - also eine für die rechte Hand und eine für die linke Hand - sondern es gab auch noch eine dritte Notenzeile:

Für die Beine - mit denen Du das Pedal spielen musst. Egal was Du tust: Du hast immer ein Auge zu wenig.

Bekommst Du jetzt ein Gespür dafür, warum ich an der Orgel immer in Panik verfallen bin?

Die Vorbereitungszeit hat mir natürlich nie gereicht. So sehr ich mich auch bemühte - einige Töne gingen immer daneben. Und jedes Mal fuhr es mir eiskalt ins Rückenmark. Manche Kirchengemeinden haben mir das nachgesehen, weil sie wussten, dass ich noch lernen muss. Bei einer Kirchengemeinde habe ich aber meistens gewartet, bis alle Gemeindemitglieder die Kirche verlassen hatten, bevor ich heimlich wieder von der Empore heruntergekrochen kam. Denn diese Gemeinde zudem noch eine besonders komplizierte Orgel mit vielen Schaltern und Eigenheiten.

So passierte es an einem Montag Nachmittag. Einen Tag davor spielte in gerade in dieser besagten Kirchengemeinde. An diesem Montag Nachmittag klingelte bei uns das Telefon.

Ich saß gerade an den Hausaufgaben - also ging meine Mutter ran. Das Telefonat war sehr still. Meine Mutter kam nicht wirklich dazu viel zu sprechen. Am Ende aber sagte sie etwas ziemlich Giftiges in den Hörer und legte dann kommentarlos auf.

Sie kam dann zu mir herein - schien aber noch irgendwie nach den richtigen Worten zu suchen.

Dann sagte sie:

"Das war gerade Pfarrer von der Kirchengemeinde gestern. Er sagt, sie wollen, dass Du nie wieder dort spielst."

"Aber das lassen wir uns nicht bieten. Was fällt denen ein, bei einem 13-jährigen, der sich bemüht..."

Und sie rief dann sofort auf dem Dekanat an und so weiter...

Aber willst Du wissen wie es mir ging?

Ich hab mich einfach nur geschämt. Und ich hab geweint.

Und um es vorweg zu nehmen: ich habe tatsächlich nie wieder in dieser Kirchengemeinde gespielt.

Aber mir war sehr wohl bewusst, dass ich auf lange Sicht den Job als Aushilfsorganist nur behalten konnte, wenn ich mir etwas einfallen lasse, wie ich diese Kirchenlieder schneller und leichter lernen konnte. Denn es war schlicht unmöglich über 800 Songs aus dem Orgelbuch zu beherrschen.

Und da kam mir eine Idee:

Damals hatte ich seit einigen Monaten damit angefangen, Songs aus dem Radio intuitiv auf dem Klavier zu spielen. Ohne Noten. Und das beherrschte ich mittlerweile ziemlich gut. Ich hörte mir die Songs so lange auf meinem Walkman an, bis ich sie in und auswendig kannte. Und meistens konnte ich sie dann ziemlich mühelos am Klavier interpretieren.

Das Problem war nur: Ich konnte auch nicht 800 Kirchensongs auf meinen Walkman machen und die alle auswendig lernen.

Aber vielleicht könnte ich ja beide Techniken kombinieren. Also: Ein bisschen Noten und ein bisschen Intuition. Macht das irgendwie Sinn für Dich?

Okay, also ich erklärs Dir:

Ich habe für eine ziemlich lange Zeit das große Orgelbuch auf die Seite gelegt und nur aus dem einfachen Gesangbuch gespielt. So brauchte ich mich nur noch auf eine Notenzeile konzentrieren und hatte damit schonmal das Wichtigste - die Melodie.

Jetzt willst Du wissen, wie das gehen soll, ohne Akkorde und ohne Akkordsymbole. Stimmts?

Richtig. Das ist eine gute Frage.

Ich hab einfach mal die gängigsten Akkorde ausprobiert. Und ich hab dann die verwendet, die meiner Meinung nach am besten gepasst haben.

Und weißt Du was witzig ist?

Ich hab dann immer meine Akkorde mit den "echten" Akkorden im Orgelbuch verglichen - und die haben fast immer gestimmt. Und es kommt noch besser: Nach kürzester Zeit konnte die meisten Lieder einfach so vom Blatt spielen - ohne sie zu üben. Egal, ob ich sie kannte oder nicht.

Mehr sogar: Ich konnte die Kirchenlieder oft sogar nach meinen eigenen Vorstellungen moderner klingen lassen. Ich konnte eigene Vorspiele improvisieren. Als ich etwas mutiger wurde, begann ich sogar damit moderne Songs aus dem Radio zum Ein- und Auszug spielen.

Ob mir das die Pfarrer haben durchgehen lassen?

Naja, es war definitiv Neuland. Aber die Kirchen waren voller, wenn ICH Orgeldienst hatte.

Und es dauerte nicht lange, dass ich mit 14 Jahren von einer Kirchengemeinde ein Angebot erhalten hatte, ob ich nicht dauerhaft dort spielen würde.

Es war eine sehr kleine Kirchengemeinde - in Wurmlingen bei Tuttlingen. Sie war evangelisch, ich Katholisch. Und eigentlich hatte ich Kirchen als Kind immer gemieden. Aber die Menschen dort nahmen mich so herzlich und dankbar auf, dass ich fast 10 Jahre lang dort Organist war. Und auch heute kann ich noch sagen, dass ich dort eine der schönsten Zeiten in meiner Jugend hatte. Sogar 10 Jahre danach feierte ich meine Hochzeit in dieser Gemeinde - obwohl ich katholisch war und noch nie dort gewohnt habe.

Du siehst also: Selbst in der am meisten alt eingebackenen Umgebung kannst Du Erfolg haben, wenn Du Deine Intuition einsetzt. Wenn Du nicht einfach stupide das nachspielst, was irgendwelche Mönche mal vor 400 Jahren aufgeschrieben haben.

Denn wenn Du nur die Gedanken von irgendwelchen Komponisten in die Klaviertastatur reinhämmerst, dann gewinnst Du damit nicht mehr Herzen als eine Sekretärin beim Schreibmaschinen-Tippen.

Aber wenn Du Deine eigene Persönlichkeit einbringst, wenn Dein Publikum hört, dass Du ihnen gerade etwas aus Deinem Tiefsten Herzen schenkst - dann werden sie auch Dir ihre Herzen schenken. Sie werden Dir folgen. Und sie werden Dir immer dankbar dafür sein.

Alles was Du dazu tun musst, ist, Deiner inneren Intuition die Möglichkeit geben, Dich beim Klavierspielen zu führen.

Und das ist etwas, das kann jeder tun. Auch Du.

Diese Fähigkeit ist erlernbar.

Und sie ist sogar ganz einfach erlernbar.

Es ist nur ein Schalter in Dir drin.

Aber wenn Du ihn umlegst: Mann - Dann befreist Du Dich nicht nur selbst - sondern Du öffnest auch die Herzen von all denen, die Dir zuhören.

Gordon November


Dozent für Intuitives Klavierspielen, Singen & Komponieren.

Gordon November

Kostenlos Intuitives Klavierspielen lernen!

>